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Ungleichland Deutschland

Ungleichland Deutschland

 
Über die Aktion des WDR Projekts „Docupy“ mit dem Thema „Ungleichland – Vermögen, Chancen, Macht“ spricht zurzeit ganz Deutschland. Und das nicht erst seit der Ausstrahlung der Dokumentation am vergangenen Montag. Unter #ungleichland twittern deutsche Arbeitnehmer bereits seit Januar offen über ihre Gehälter. Und das obwohl die Deutschen nicht gerne über Geld und ihr Gehalt sprechen. Denn hier geht es um ein gesellschaftspolitisches Thema, das Deutschland immer mehr spaltet: die soziale Ungleichheit.
 

Mittelschicht ist der Verlierer

 
Deutschland ist eines der wohlhabendsten Länder der Welt, aber seit den 90er Jahren hat die Einkommensungleichheit stark zugenommen. Die soziale Ungleicheit setzt vor allem die Mittelschicht unter Druck. Jüngere Menschen haben heute weniger Einkommen zur Verfügung als die Generationen davor. Die Mittelschicht muss um ihren Status kämpfen, statt wie früher durch Arbeit und Leistung den Aufstieg zu schaffen.
 
Bauunternehmer Christoph Gröner sieht das allerdings ganz anders: „Wir leben in der geilsten Gesellschaft der Welt. Hier kann jeder werden, was er will.“ Der Selfmade-Millionär, sein geschätztes Privatvermögen liegt bei 80 Millionen, hat sich vom Bauhelfer zum einflussreichen Immobilienmogul hochgearbeitet. Die Autoren der Dokumentation haben den Unternehmer ein halbes Jahr lang begleitet.

Hauptursache für die Ungleichheit sind die Lohnzuwächse vor allem bei höheren Gehältern. Der Niedriglohnsektor ist davon abgespalten. Das heißt dementsprechend, die Reichen dieser Welt werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Auch in Deutschland driftet die Gesellschaft gefährlich auseinander. Sozialverbände sehen die gesellschaftliche Balance in einer Schieflage, der soziale Frieden ist zunehmend gefährdet.
 

Ungleichheit zerreißt die Gesellschaft

 
Der ehemalige Chef-Ökonom warnt vor der Ungleichheit in den Mittelschichten der reichen Länder, zu denen auch Deutschland gehört: „Diese Menschen verdienen heute das, was sie auch schon vor 20 Jahren verdient haben. Wie vor 100 Jahren steht die Menschheit auch heute wieder an einer Kreuzung: Lässt sie zu, dass die wachsende Ungleichheit die Gesellschaften der reichen Länder zerreißt? Oder hält sie dagegen?“ Auch der ehemalige US-Präsident warnt, dass Ungleichheit die größte Gefahr für unsere Demokratien ist.

In Deutschland besitzen die oberen zehn Prozent rund 50 Prozent des Gesamtvermögens. Beachtenswert ist, dass in Deutschland bereits zu den oberen 50 Prozent gehört, wer ein Vermögen von 17.000 Euro besitzt. Zu den oberen zehn Prozent gehört, wer ein Nettojahreseinkommen von 42.000 Euro.
 

Chancengleichheit durch Bildung

 
In Deutschland ist die Zahl der Privatschulen in den letzten Jahren um 30 Prozent gestiegen. Dass der Staat allen Bürgern freien Zugang zur besten Bildung verschafft, ist heutzutage nur noch ein Mythos. Hier kommt es immer darauf an, in welcher Stadt und welchem Stadtteil die Kinder aufwachsen und was die Eltern beruflich machen. Getreu dem Motto „wer viel hat, kann sich auch viel leisten“, gehen die Kinder von Bauunternehmer Christoph Gröner auf ein privates Internat: Kosten 3000 Euro pro Monat und Kind.
 
Falls Sie die Doku verpasst haben sollten: Wiederholungstermine sind am Mittwoch, 16., 23. Und 30. Mai 2018, jeweils um 22:10 Uhr im WDR.

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Autor: Redaktion