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Grillkohle: Der Regenwald auf dem Scheiterhaufen

Erschreckende Erkenntnis

Grillkohle: Der Regenwald auf dem Scheiterhaufen

Grillen ist der Deutschen liebstes Hobby – natürlich mit Kohle. Dass wir dadurch regelrecht Tropenwälder auf dem Gewissen haben, ist vielen nicht einmal bewusst. News-Insider.de erklärt die Zusammenhänge.

Wir Deutschen sind Grillweltmeister. Die meisten nutzen dabei Holzkohle. 250.000 Tonnen verbrauchen wir pro Jahr. Das Verbrennen von Kohle setzt sowieso schon einen ordentlichen Anteil an Kohlendioxid frei. Da wäre der Elektrogrill die umweltfreundlichere Alternative. Das WIE ist jedoch letztendlich gar nicht so entscheidend, denn fast 95 Prozent der klimarelevanten Emissionen werden durch das Grillgut verursacht

Kohle aus dem Ausland

Obendrein tragen wir durch die Nutzung von Kohle ohne es zu wissen zur Zerstörung der Ur- und Tropenwälder bei. Immerhin stammen 84 Prozent der Grillkohle im deutschen Handel aus dem Ausland. Zwar ist der Import von Tropenholz oder illegal geschlagenem Holz aus osteuropäischen Urwäldern verboten, das gilt allerdings nicht, wenn es bereits zu Kohle verarbeitet wurde. Der NDR und WWF untersuchten 36 Grillkohlen auf ihre Holzart und Herkunft. Die Prüfergebnisse waren schockierend.

Illegaler Raubbau von Tropenholz

61 Prozent der untersuchten Grillkohlen wurden bei der Marktanalyse als hochrisikobehaftet eingestuft. Sie stammen aus Regionen mit umfangreichem illegalen Holzeinschlag und machen falsche Angaben hinsichtlich der verwendeten Hölzer. In nahezu jedem zweiten Produkt fanden die Tester Tropenholz. Zwar kann nicht nachgewiesen werden, dass das Holz aus illegaler Abholzung oder Raubbau stammt, das Risiko sei laut WWF allerdings hoch. Zudem stehen Nigeria und andere Länder Westafrikas im Verdacht sowohl mit Kriminellen zusammenzuarbeiten als auch durch die Holzmafia den Terror mitzufinanzieren.

Falsche oder keine Angaben

30 der 36 getesteten Säcke Grillkohle von Tankstellen, Baumärkten, Supermärkten und Discountern enthielten fasche oder keine Angaben bezüglich der verwendeten Holzarten. Schockierend: Die bei Bauhaus vertriebene Kohle "Flash Barbecue Season" wirbt damit, keinerlei Tropenhölzer zu verwenden und besteht dabei zu mehr als der Hälfte aus tropischen Holzarten. Für unser Klima und die Artenvielfalt ist das fatal. Die Tropen sind der artenreichsten Lebensraum der Erde. Der heimische Grill wird sozusagen "zum Scheiterhaufen des tropischen Regenwaldes", so Johannes Zahnen, Holzexperte des WWF Deutschland.

Verzicht auf Tropenholz

Nicht nur wegen der fehlenden oder falschen Angaben lässt sich das Problem nicht einfach durch den Verzicht auf Tropenholz lösen. Auch vor unserer Haustür werden die letzten Urwälder illegal ausgebeutet. Ein Beispiel ist die Ukraine: Holzkohle fällt, anders als viele andere Holz- und Papierprodukte, nicht unter die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR), die Unternehmen verpflichtet, die Legalität der Produkte sicherzustellen. Hier sind Unternehmen und Verbraucher gefragt. 

Eine Orientierung bietet das FSC-Siegel, das für umweltverträglichere Waldnutzung steht. Leider zeigt auch das Siegel Schwächen. Die Überprüfung förderte auch bei FSC-zertifizierten Produkten Ungereimtheiten zu Tage. Eine Alternative ist das PEFC-Siegel, das laut WWF aber keinerlei Vorteil gegenüber nicht-zertifizierten Produkten bietet. 

Unter anderem produziert die Firma ProFagus Holzkohle in Deutschland. Damit gehört sie zu den ganz wenigen Anbietern, deren Produkte man mit gutem Gewissen zum Grillen nutzen kann. Obendrein schneidet die Kohle bei Tests regelmäßig gut ab. Sie speichert die Hitze und glüht lange nach. Auch das Start-up Nero vertreibt nachhaltige Grillkohle. Dafür steht unter anderem das Siegel des Bio-Verbands Naturland. Darüber hinaus gibt es Grillkohle aus Mais oder Kokos. Auch werden mittlerweile Grillbriketts aus Olivenkernen angeboten. Wirklich ökologisch unbedenklich grillt man aber nur mit Elektro- oder Gasgrill.

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Autor: Melanie Gumbert