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Tag der Tropenwälder: Rodung schreitet rasant voran

Umwelt

Tag der Tropenwälder: Rodung schreitet rasant voran

Knapp alle zwei Sekunden verschwindet auf der Erde ein Stück tropischen Waldes von der Größe eins Fußballfeldes. Das sind 35 Fußballfelder pro Minute. Auf ein Jahr gerechnet sind das 135.000 Quadratkilometer – das entspricht der Fläche von Griechenland. Weltweit gibt es nur noch etwa 10 Millionen Quadratkilometer tropische Trocken- und Regenwälder. Wenn diese Entwicklung in gleichem Tempo voranschreitet, werden die Waldflächen bis zum Ende des Jahrhunderts restlos abgeholzt sein.

Seit 1989 macht der WWF deswegen jährlich am 14. September, am Tag der Tropenwälder, auf diese Entwicklung aufmerksam und versucht, in der Bevölkerung ein nachhaltigeres Bewusstsein für den Wert der Tropenwälder zu schaffen. Der 14. September wurde als Tag nicht zufällig ausgewählt. Das Datum geht zurück auf den Geburtstag des Forschers Alexander Humboldt, der einen großen Teil seiner Studien dem tropischen Regenwald des Amazonasgebiets widmete.

Artenvielfalt

Die Regenwälder umspannen die Erde als grüner Gürtel am Äquator. Obwohl schon mehr als die Hälfte von ihnen abgeholzt wurden und sie nur noch 7 % der Erdoberfläche bedecken (früher waren es 16 %) bieten sie Schätzungen zufolge zwischen 40 % und 70 % aller Arten dieses Planeten ein Zuhause. Das sind möglicherweise mehr als 30 Millionen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten (bisher sind circa 1,8 Millionen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten bekannt). Der Schlüssel zu dieser schier unglaublichen Masse an Arten ist ihre Seltenheit. Eine Faustregel für Insekten lautet: Es ist viel leichter zehn verschiedene Schmetterlingsarten in tropischen Regenwäldern zu finden als zehn Schmetterlinge einer Art. Werden in diesen Wäldern Bäume gefällt, verlieren unzählige Arten ihren Lebensraum und sterben aus, noch bevor sie entdeckt werden können.

"Nirgends tummeln sich auf unserem Planeten so viele Tier- und Pflanzenarten wie in den Tropen. Wir verlieren jedes Jahr unzählige Arten, von deren Existenz wir nicht einmal wussten. Wenn wir die laufende Zerstörung nicht bald stoppen wird der Großteil der Tropenwälder schon in wenigen Jahrzehnten verschwunden sein", warnt Susanne Winter, Referentin für Waldschutz beim WWF Deutschland. Mit der Abholzung eines kleinen Waldstücks kann man also schon für das Aussterben mehrerer Arten sorgen.

Klimatischer Aspekt

Die Abholzung der Tropenwälder hat aber nicht nur einen lokalen, sondern auch einen globalen Aspekt. Nicht umsonst werden Wälder als Lunge unseres Planeten bezeichnet. Ihre Abholzung kommt einem ökologischen Desaster gleich. Der immense Wasserhaushalt der Regenwälder bindet rund 10 % des weltweiten Süßwassers in einem Kreislauf. Dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht zu bringen, würde die Erderwärmung aus mehreren Gründen weiter ankurbeln.

Zum einen ist der Regenwald ein gigantisches Kühlsystem: Jeden Tag verdunsten hier Unmengen Wasser aus der Vegetation und bilden Wolken, die Sonnenlicht schon in der Atmosphäre zurück ins All reflektieren und damit einer Erwärmung der Erdoberfläche entgegenwirken. Zum anderen binden die tropischen Wälder eine enorme Masse an Kohlenstoff. Die Menge an gebundenem Kohlenstoff in den Pflanzen Tieren und Böden des Regenwaldes entspricht 10 Jahre globaler menschlicher Treibhausgasemission. Somit dienen die Wälder als großer Klimastabilisator. Eine komplette Auslöschung würde wichtige Kreisläufe auf unserer Erde stören – die Folgen wären unabsehbar.

Die Gründe

Man könnte sich an dieser Stelle fragen, warum wir unsere Wälder so radikal abholzen. Die Antwort ist, wir müssten auf einiges verzichten, wollten wir die Abholzung stoppen. Außerdem geht es ums Geld. Die häufigsten Gründe:

Die seltenen und wertvollen Hölzer, die in den Tropenwäldern wachsen, erzielen in anderen Teilen der Welt hohe Preise. Oft werden diese Bäume gezielt illegal abgeholzt, ohne Auflagen zur Wiederaufforstung. Schätzungen des WWF zufolge stammen rund 20 % der Holzimporte der europäischen Union aus illegalem Einschlag.

Außerdem liegen tief unter dem Wurzelgeflecht der Wälder reiche Bodenschätze. Oft werden sie im Tagebau gewonnen, der Regenwald hat also das Nachsehen und muss Platz machen.

Weitere Gründe sind Straßenbau, Errichtung von Staudämmen, Holzgewinnung für Kohle und Brennholz und Brandrodung zur Landgewinnung für Weideflächen oder der Errichtung von Ölpalmen- oder Sojaplantagen. Letztere werden auch in Europa dringend als Futtermittel benötigt.

Gegenmaßnahmen

Verbraucher können in ihrem täglichen Handeln dieser Entwicklung aktiv entgegenwirken. Es wird empfohlen, weniger Fleisch zu essen, sodass nicht immer größere Flächen zur Haltung von Rindern und zum Anbau von Futtermitteln benötigt werden. Außerdem wird Verbrauchern empfohlen, beim Kauf von Holzprodukten auf ein FSC-Siegel zu achten. Auf politscher Ebene braucht es verstärkt Regelungen, die Verkäufer von Holz eine Nachweispflicht auferlegen, dass ihr Holz aus legalen Quellen stammt. Eine Ausdehnung von Schutzgebieten wäre ebenfalls eine effektive Maßnahme.

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Autor: Lukas Klaas